Am Dienstag starten wir von Chagny aus erneut mit unseren Rädern in Richtung Rully. Von Chagny aus sind das nur knapp 5 Kilometer. In Rully werden seit mehr als 4 Jahrhunderten viele große Weine angebaut. Bis heute reiht sich ein Weingut an das nächste. Wir haben neugierig in die Höfe geschaut und fleißiges Klappern hinter meist verschlossenen Türen gehört. Die Güter zeugten, allein von ihren alten Gemäuern her, von langer Tradition und waren liebevoll erhalten und saniert. Es war sehr lohnend anzusehen. Von einem Weinhändler im Ort bekamen wir einen Tipp, welche Domaine offen ist. Leider gibt es in Frankreich keine so ausgeprägte Verkostungskultur wie in deutschen Weingebieten. Degustation wird zwar angeboten, spielt jedoch eine untergeordnete Rolle. Mit unserem schlechten Französisch waren wir nicht in der Lage, uns eine Verkostung zu erbitten, und außerdem hätten wir uns nicht gut gefühlt, da wir per Fahrrad nur 1-2 Erinnerungsflaschen mitnehmen konnten. Ungeachtet dessen haben wir uns für spätere Rückblicke je eine Flasche Roten und Weißen Rully-Wein gegönnt. Wie schon in Condrieu hatten auch die Weine in Rully ihren Preis. Unser Weg führte uns hinauf bis zum Château Rully, welches leider erst Mitte Juli bis September zu besichtigen ist. Auch der große Park war nicht zugänglich. Das Château ist eine mittelalterliche Festung mit Bergfried aus dem 12. Jahrhundert. Von hier oben hatte man einen traumhaften Blick über die Weinfelder. Auch die Kirche Saint-Laurent und das Schloss Saint-Michel waren geschlossen. Das Schloss ist ein Beispiel für die Architektur Napoleons III, in Verbindung mit Stilen Ludwigs XIII., Renaissance und Gotik. Insgesamt hat uns Rully auch von seiner bauhistorischen Substanz sehr gefallen. An einem der vielen Rastmöglichkeiten haben wir unseren mitgebrachten Mittagsimbiss genommen. Es fasziniert uns immer wieder, dass diese Plätze in Ordnung sind und über aufgeräumte Müllentsorgungsmöglichkeiten verfügen. Da lässt man sich gerne nieder. Schon am frühen Nachmittag waren wir zurück in Chagny. Für den Nachmittag war Boot putzen angesagt. Abseits von herumfliegendem Grünzeug und Blütenstaub konnten wir den Dreck des letzten Monats am Außenschiff beseitigen. Abend hatten wir unsere Bootsnachbarn aus Polen zu Gast, die uns in der englischen Sprache einiges voraushatten. Es wurde ein sehr netter Abend mit viel Seemannsgarn und 2 Flaschen Weißwein.


















Für Mittwoch, den 26. April 2023 hatten wir uns nur eine kurze Strecke vorgenommen. Bis dorthin waren keine Schleusen zu bewältigen. Wir fanden tatsächlich den „Halte Natur“, den Liegeplatz in der Natur, in der Nähe von Santenay, nur 5 km von Chagny entfernt und machten dort fest. Auch hier trifft meine Bemerkung zu den Rastmöglichkeiten von gestern zu. Neben Banktischen gab es hier sogar eine Wasserpumpe, die funktionierte, aus der man durch Drehen einer Kurbel Wasser ziehen konnte. Da nach unserer Ankunft die Sonne schien, haben wir sogar gewagt, in freier Natur unsere Heckdusche zu nutzen. Leider verfügen die Liegestellen in den Kanälen selten über sanitäre Einrichtungen, so dass wir unser Bordequipment voll brauchen. Santenay haben wir wieder mit dem Fahrrad erkundet. Das kleine Winzerdorf liegt nur wenige Kilometer vom Kanal entfernt. Auch hier wachsen sehr gute Weine und viele Domaines präsentierten ihre Weine zum Verkauf. Eine Domaine befindet sich im Château Santenay. Ein tolles Gelände mit gepflegtem Park. Die Dächer der Gebäude sind mit lasierten bunten Dachsteinen gedeckt. Im Ort selbst gibt es 2 Restaurants, die im Michelin-Führer genannt sind. Die Menüpreise lagen zwischen 36,00 und 56,00 Euro. Ein Bistro am Markt betreibt einen Stand, an dem man Wein trinken kann. Viele Radfahrer machten hier Rast. Wir auch. So lässt es sich gut gehen. Zurück an Bord haben wir am Nachmittag mit Blick auf die Weinberge den nächsten Tag geplant. Wir wollen, wenn alles klappt, eine längere Strecke fahren. Zwischendurch wollen wir noch ein Schloss besichtigen, hierfür konnte ich im Voraus Tickets bestellen. Ich musste uns für den Folgetag telefonisch für das Schleusen am Kontrollposten anmelden. Die Dame, die das Telefonat entgegennahm, war etwas unwirsch. Das Gespräch ging auch nur in Französisch und ich bin leider nicht so schnell im Reagieren, wie ich vom anderen Ende zugetextet werde. Wir sind nicht sicher, ob alles klappen wird.



































































































































































































