Weiter zügig nach Hause

Über Hannover, Fallersleben, Haldensleben, Genthin und zuletzt über den Teltowkanal in die Dahme

Noch eine knappe Woche und dann sind wir zu Hause. Ab jetzt ist alles „nur“ Rückweg. Dienstag, am 18. Juli fahren wir bis Hannover. Das sind immerhin 82 km in einem Rutsch. Im Hafen Hannover sind wir angemeldet. Es ist das erste Mal, dass wir hier liegen. Der Hafenmeister ist sehr aktiv. Wir sollen uns auf der Höhe VW melden. Am Hafen angekommen, werden wir durch den Hafenmeister gleich auf einen Außenplatz verwiesen. Zunächst sind wir nicht so begeistert, empfinden das jedoch später durchaus als Vorteil. Obwohl die Berufsschifffahrt hier permanent passiert, liegen wir relativ ruhig und können sogar etwas sehen. Im Hafenbecken selbst ist man schon sehr abgeschieden. Wir erfahren, dass es einen Eigentümerwechsel gegeben hat und dass die Gastplätze rar sind, da es mehr Festlieger gibt. Alles ist gut organisiert. Es gibt einen Sanitärcontainer der ordentlich ist und das Gelände ist über Nacht abgeschlossen. Trotz des regen Betriebes auf dem Restaurantschiff ist es ruhig. Um uns zu bewegen, machen wir noch einen Spaziergang. In dieser Gegend ist überwiegend Wohnen angesiedelt. Viele Bauten stammen aus den 50iger bis 60iger Jahren. Beim Bäcker, der eigentlich schon geschlossen war, bekamen wir noch Brötchen. Reine Luft.

Am Mittwoch geht es von Hannover weiter nach Fallersleben. Der Club hat sich entschieden, keine Reservierungen anzunehmen, da es häufig zu frühzeitigen Reservierungen kam und die Boote dann nicht gekommen sind. Dafür wurden andere einlaufende Boote weggeschickt. Wir haben gut Platz bekommen. Es lagen schon einige Gäste im Hafen und auch nach uns kommende Boote haben noch Platz gefunden. Sogar das kleine Clubrestaurant hatte offen. Die Clubmitglieder wechseln sich in der Betreuung ab. Als wir da waren, konnte man Getränke bekommen. Frank ist mit dem diensthabenden Clubmitglied sehr nett ins Gespräch gekommen. Noch vor drei Jahren hat er mit einem Mitfahrer die Tour Rhein-Main-Donau-Schwarzes Meer-Türkei-Griechenland-Italien-Frankreich, zurück nach Deutschland gemacht. Das wäre auch für uns ein Fahrziel. Auf Grund des Ukrainekrieges aber nun passe´. https://www.ychf.de/

Donnerstag sind wir bis Haldensleben gefahren. An der Schleuse Sühlfeld haben wir Glück gehabt und nur eine Stunde gewartet, bis wir passieren konnten. Wir hatten schon von Schleusenwartezeiten wegen zu wenig Wasser von bis zu drei Stunden gehört. Frank hat Haldensleben nicht wiedererkannt, obwohl er vor 6 Jahren dort mit seinem Bruder mit unserer Greenline auf dem Überführungsturn vom Main gelegen hat. In Haldensleben hatten wir sehr nette Nachbarn. Sie kamen, wie sich herausstellte, aus Hamburg und hatten viele interessante Geschichten und Erfahrungen über Reviere, Boote und aus ihrem Leben zu erzählen. Wir hatten einen kurzweiligen Abend. Der Skipper versorgte uns am nächsten Morgen noch mit frischen Brötchen. Vielleicht treffen wir die beiden mal in Hamburg. https://www.sportboothafen-haldensleben.de/marina

Das Wasserstraßenkreuz Magdeburg konnten wir am Freitag ohne Wartezeit passieren. An der Schleuse Hohenwarte mussten wir auch „nur“ eine Stunde warten. Gegen 15:30 waren wir in Genthin. Indem kleinen Sportboothafen war ordentlich was los. Zwar war noch ein Platz frei, aber wir haben uns entschieden, an der Liegestelle vor dem Hafen anzulegen. Wir waren mit Franks Bruder und Frau verabredet, die aus Rathenow kamen. Es war gerade noch genug Zeit zum Einkaufen, bevor sie eintrafen. Da wir am Sonntag in Berlin eintreffen wollten, brauchten wir noch einige Vorräte, damit wir nicht ohne zu Hause ankommen. Es wurde wieder ein schöner Nachmittag. Unsere Gäste haben frisch gebackenen Kuchen mitgebracht und Gurken sowie Bohnen aus dem Garten. Und ein Glas Erdbeermarmelade gab es auch. Wir wurden sehr verwöhnt. Zwischendurch gab es einen heftigen Schauer. Gegen 19:00 Uhr waren wir dann wieder alleine. Wir sind mit den hinter uns liegenden Bootseignern ins Gespräch gekommen. Beide sind passionierte Taucher. Später saßen wir zusammen und haben noch lange Storys und Erfahrungen ausgetauscht.

Von Genthin ging es am Samstag nach Ketzin. Bis hierhin waren es zwar nur 49 km. Auf der Strecke nach Hause ist Ketzin jedoch gut gelegen, um am nächsten Tag die finale Strecke zu fahren. Ketzin war eine einzige Enttäuschung. Wir waren schon häufiger hier, aber noch nie ist uns so krass aufgefallen, wie unfreundlich und teuer der Hafen ist. Es handelt sich um einen städtischen Anleger. Die Stege sind sehr wohl in Ordnung. Wir wurden nicht etwa von der Hafenmeisterin begrüßt, sondern lediglich darauf hingewiesen, bezahlen zu kommen. Der Preis betrug 23 Euro für unsere Bootsgröße und war bis auf Paris der teuerste Liegeplatz. Dafür gab es keine Leistung, außer dass man anlegen konnte. Strom gab es am Steg, Wasser auch. Es gab jedoch zu wenig Steckplätze so dass wir nicht zum Zuge kamen. Strom war separat an der Abnahmestelle zu bezahlen. Desgleichen musste man für jeden Toilettengang und Duschen sowieso extra bezahlen. Der Gipfel war, dass jemand vom Hafenpersonal zwei Mal zu unserem und anderen Booten kam und irgendetwas aufschrieb, ohne etwas zu sagen. Man wollte kontrollieren, ob schon bezahlt wurde. So etwas hatten wir auf der gesamten Fahrt nicht erlebt. Es gab kein Willkommen, keine touristischen Informationen. Nichts. Man hatte das Gefühl, nicht Willkommen zu sein.

Wir verließen Ketzin Sonntag früh gegen 8:35. Nach relativ kurzer Zeit waren wir bereits im Raum Potsdam. Dort wurde der Bootsverkehr dichter. Bis zur Schleuse Kleinmachnow im Teltowkanal fuhren wir dennoch weitestgehend allein. Vor der Schleuse hatten sich schon eine Menge Boote versammelt. Bei der Schleuseneinfahrt musste die Schleusenwärterin die Bootsführer ermahnen, in der Kammer vorzufahren, damit alle Boote hineinpassten. Wir liefen zum Glück am Ende ein und wurden von keinem behindert. Nach der Schleusung dauerte es etwas, bis die Boote sich entzerrt hatten. Gegen 14:35 hatten wir den Bootssteg zu Hause erreicht. Der Wind machte das ungewohnte Anlegemanöver an den Dalben etwas unbequem, aber dann lagen wir fest. Es gab den letzten „Anleger“ dieser Tour und das letzte Stück Kuchen von der Verwandtschaft. Und dann ging es ans Ausräumen.

Am Nachmittag kam dann immer mehr Wind auf. Ein großes Hausboot wurde gegen die Dalben und Boote der Steganlage gedrückt. Einer von zwei Motoren war nicht in Betrieb. Als sie den zweiten Motor endlich in Gang hatten, wollten sie weiter. Frank riet, sich festzumachen und abzuwarten, bis der Wind abflaut. Aber die zwei Herren wollten unbedingt weiter. Frank konnte sie noch wegdrücken, bevor sie unser Boot seitlich rammten. Aber nachdem sie mit Vollgas anstelle geradeaus zu fahren, um wegzukommen, nach backbord einlenkten, erwischte das Hausboot mit der ganzen Wucht unsere Reling. Die Reling verbog sich massiv und auch das GFK am Reling-Einlass ist aufgeplatzt. Ein riesiger Schaden. Und das nach insgesamt 5.500 km ohne Unfall. Es war sehr frustrierend. Der Hausbootführer war zwar kooperativ, aber was nützt das. Wir haben jetzt die Rennerei. Zunächst war die Wasserschutzpolizei da. Schadensnummer und Versicherungsunternehmen haben wir mittlerweile. Und hoffentlich auch bald wieder ein Boot, welches in Ordnung ist.

Trotz dieses unschönen Abschlusses, wollen wir uns diese Reise nicht vermiesen lassen. Es war ein großartiges Erlebnis mit unzähligen Eindrücken und Erlebnissen. Wenn alles gesackt ist, werden wir noch mal Bilanz ziehen.

Wir haben uns einen Traum verwirklicht und werden es wieder tun.


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